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	<title>Das Drama in uns</title>
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	<description>Die tiefenpsychologische Dimension der mythischen Reise im Film</description>
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		<title>Schlussbemerkung</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 18:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schlussbemerkung]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch wenn die Bedeutung des mythischen Denkens von den Vertretern der Aufkl&#228;rung und ihren Nachfolgern totgesagt wurde, zeigt sich in der tiefenpsychologischen Ann&#228;herung, dass das mythische Denken zum Menschen geh&#246;rt wie das aufgekl&#228;rte Denken auch. Es ist die Sprache des Unbewussten, die trotz hartn&#228;ckiger Bestrebungen nicht zum Schweigen gebracht werden kann. Sie ist die Stimme [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn die Bedeutung des mythischen Denkens von den Vertretern der Aufkl&#228;rung und ihren Nachfolgern totgesagt wurde, zeigt sich in der tiefenpsychologischen Ann&#228;herung, dass das mythische Denken zum Menschen geh&#246;rt wie das aufgekl&#228;rte Denken auch. Es ist die Sprache des Unbewussten, die trotz hartn&#228;ckiger Bestrebungen nicht zum Schweigen gebracht werden kann. Sie ist die Stimme unserer verborgenen Potentiale und Quelle unserer ureigensten Sch&#246;pfungskraft. Das, was Campbell als Monomythos bezeichnet hat, ist die Syntax dieser Sprache und wir gebrauchen sie aktiv, wenn wir eine Geschichte oder einen Film schreiben und »lauschen« ihr, sobald wir uns als Zuschauer oder Leser in fiktive Welten versenken.</p>
<p>Die historische Entwicklung der Sprache des Unbewussten reicht zur&#252;ck bis in eine Zeit, als das aufgekl&#228;rte Denken nur in einer hypothetischen Anlage schlummerte. Unz&#228;hlige Leben von Einzelwesen haben sie gepr&#228;gt und unz&#228;hlige Generationen von Kulturen hat sie passiert. Wenn wir in dramatischen Geschichten heute also die monomythische Syntax gebrauchen, haben wir Anteil an dieser Geschichte, der Geschichte unserer Seele. Wenn sich, wie in dieser Arbeit dargestellt wurde, in einem dramatischen Text sowohl die Bewusstseinsentwicklung der Menschheit als auch die psychische Entwicklung des Einzelwesens in symbolischer Gestalt niederschl&#228;gt, m&#252;ssen wir davon ausgehen, dass die Struktur unserer Psyche daf&#252;r verantwortlich ist, wie diese Geschichten beschaffen sind. Sie sind eine Kopie unserer psychischen Struktur, die unsere Psyche immer und immer wieder von sich anfertigt. Sie ist die Quelle aller Fantasie und kann nichts weiter tun, als sich selbst best&#228;ndig einzubringen.</p>
<p>Die Beobachtung, dass sich die monomythische Struktur als Abbild des Lebenswegs in Filmen niederschl&#228;gt, kann nicht auf ein bestimmtes Genre reduziert werden. Vielmehr vollzieht sich dieser Prozess in unterschiedlichen Genres anhand eines eigenen symbolischen Vokabulars. Wenn in der Dramaturgie also die Diskussion &#252;ber archetypisches Erz&#228;hlen nur schwerlich zu einem griffigen Konsens kommt, dann deshalb, weil das Archetypische in jedem Film mit monomythischer Struktur angelegt ist, egal wie sehr uns die Symbolik stereotypisiert erscheint. Einzig unsere kulturelle Gew&#246;hnung beeinflusst in diesem Punkt unsere Rezeption. Je st&#228;rker wir uns an eine bestimmte Erscheinung der Archetypen gew&#246;hnt haben, je mehr ein Film f&#252;r uns vorhersehbar wird, desto weniger werden wir verleitet, mit dem Urgrund unserer Seele Kontakt aufzunehmen. Wann immer ein Film monomythisch erz&#228;hlt wird, haben wir es mit belebten Archetypen zu tun.</p>
<p>Je mehr wir uns an die Art und Weise der Erz&#228;hlung jedoch gew&#246;hnt haben, desto mehr verschiebt sich unser Filmerleben von einer perzeptiven, also unbewussten, zu einer kognitiven, d.h. bewusst verstehenden Wahrnehmung des Dargestellten. Der Prozess der kulturellen Konventionalisierung von Symbolen beraubt uns also nicht per se dem Wiederfinden unseres archetypischen Bewusstseinsursprungs im Film, sondern mindert nur die M&#246;glichkeit, mit seiner numinosen Wirkung in Ber&#252;hrung zu kommen und neue Impulse f&#252;r unser Leben daraus zu gewinnen. Wenn mit der vorliegenden Arbeit eine Konsequenz an die Dramaturgie herangetragen werden kann, dann jene, mehr auf die sch&#246;pferischen Energien des Unbewussten zu vertrauen und das Archetypische im Autor durch eigene Introjektion aufzusp&#252;ren, statt sich f&#252;r eine wirkungsvolle Geschichte &#252;berm&#228;&#223;ig auf rationalisierte Erfolgsformeln zu verlassen.</p>
<p>Was in dieser Arbeit versucht wurde, n&#228;mlich die motivische Grundstruktur von Geschichten mit der psychischen Struktur des Menschen abzugleichen, ist von vornherein durch eine methodische Beschr&#228;nkung erschwert gewesen. Ebenso wie Tr&#228;ume eines Patienten in Psychoanalyse nur durch Anreicherung mit motivisch &#228;hnlichem Material ann&#228;hernd verst&#228;ndlich gedeutet werden k&#246;nnen, kann auch die Deutung mythischer Motive im Film im Hinblick auf ihren psychischen Ursprung in der seelischen Struktur des Menschen nur durch Hinzuziehen von Vergleichsmaterial wissenschaftlich befriedigend vonstatten gehen. Das, was Jung als Amplifikation bezeichnet hat, war nicht zuf&#228;llig auch der methodische Weg Joseph Campbells: Erst durch das Vergleichen von unz&#228;hligen Motiven und deren struktureller Aufreihung konnte er zu einer Verallgemeinerung gelangen, die ihm R&#252;ckschl&#252;sse auf die Seelenlandschaft des Menschen erlaubten.</p>
<p>Das Ph&#228;nomen der mythischen Reise im Film unter tiefenpsychologischem Gesichtspunkt darzustellen kann in so begrenztem Rahmen daher nur ein Kompromiss zwischen Wissenschaft und Untersuchungsgegenstand sein, da nicht die Reduktion, sondern die Amplifikation einzelner Motive mit ph&#228;nomenologischem Material aus Tr&#228;umen, Mythen, M&#228;rchen und Religionsgeschichten jener Weg w&#228;re, der dem bildhaften und assoziativen Wesen des Unbewussten mehr gerecht wird. Erst die F&#252;lle von Vergleichsmaterial k&#246;nnte die Parallelen zwischen Psyche und Film in einer angemessenen Qualit&#228;t darlegen. Dies ist wohl in kaum einer wissenschaftlichen Arbeit zu leisten und bleibt eine best&#228;ndige Aufgabe des allt&#228;glichen Forschens und Beobachtens mit einem gesch&#228;rften Blick f&#252;r die Seele des Menschen. Diese Aufgabe obliegt jedoch nicht mehr nur dem Psychoanalytiker. Seit der Begriff der Archetypen durch die Drehbuchliteratur geistert, darf der Analytiker sich diese Aufgabe teilen mit jenen Berufsgruppen, deren t&#228;glich Brot die Produkte der menschlichen Psyche und ihre Nahrung zugleich sind: Dramaturgen, Filmwissenschaftler und Drehbuchautoren.</p>
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		<title>Zur Bedeutung mythischer Valenzen in popul&#228;ren Medien</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 17:15:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 10]]></category>

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		<description><![CDATA[W&#228;hrend religi&#246;se Verhaftungen im westlichen Kulturkreis seit der Aufkl&#228;rung sukzessive weggebrochen sind, ist ein wesentlicher Pfeiler mythischer Lehre aus dem Alltag vieler Menschen verschwunden. Doch damit ist nicht automatisch auch das mythische Denken besiegt worden, wie es die Anh&#228;nger der Aufkl&#228;rung im Sinn hatten und wissenschaftliche Anh&#228;nger des Positivismus heute noch im Sinn haben. Vielmehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>W&#228;hrend religi&#246;se Verhaftungen im westlichen Kulturkreis seit der Aufkl&#228;rung sukzessive weggebrochen sind, ist ein wesentlicher Pfeiler mythischer Lehre aus dem Alltag vieler Menschen verschwunden. Doch damit ist nicht automatisch auch das mythische Denken besiegt worden, wie es die Anh&#228;nger der Aufkl&#228;rung im Sinn hatten und wissenschaftliche Anh&#228;nger des Positivismus heute noch im Sinn haben. Vielmehr sucht sich das mythische Denken heute andere, wesentlich besser getarnte Projektionsfl&#228;chen, um seine Existenz zu behaupten. Der monomythische Film ist dabei nur eine Facette mythischer Alltagskultur. Auch die Werbeindustrie hat die starke Wirkung mythisch aufgeladener Bilder f&#252;r sich entdeckt und selbst Popidole werden aufgrund ihrer starken mythischen und symbolischen Inszenierung heute zu gott&#228;hnlichen Stellvertretern einer »Medienreligion«.</p>
<p>Zwar widmet sich eine Vielzahl wissenschaftlicher Theorien der semantischen Aufladung von Medientexten und attestiert ihnen bisweilen auch mythischen Charakter, doch kaum eine Theorie wagt bislang den Schritt, das fortw&#228;hrende Rezeptionsbed&#252;rfnis dieser mythischen Subtexte zu erkl&#228;ren. Mythische Medientexte als medial repr&#228;sentierte Ersatzreligion zu postulieren, kann im Verst&#228;ndnis dieser Arbeit nur eine &#220;bergangsl&#246;sung sein. Die Suche nach den Gr&#252;nden f&#252;r die Unsterblichkeit des mythischen Denkens muss jedoch weiter gehen als bis zu jenem Punkt, da religi&#246;se Bindungen im tiefenpsychologischen Sinne bereits eine konkrete Ausdrucksform dieser tiefer liegenden Ursachen sind.</p>
<p>Eine Theorie von <span class="upper">Hartmut Heuermann</span> hat sich der mythischen Tiefenstruktur von Medientexten angenommen und die psychischen Dispositionen der Rezipienten dabei ber&#252;cksichtigt. <sup class='footnote'><a href='#fn-114-1' id='fnref-114-1'>1</a></sup> Heuermann stellt fest, dass in Kunst und Medien trotz eines weiterentwickelten Zeitgeists regressive Tendenzen zu beobachten sind. In ihnen werden Motive wiederbelebt, die unser aufgekl&#228;rter Zeitgeist l&#228;ngst aufgegeben hatte. Diese allgegenw&#228;rtigen Tendenzen &#246;ffnen sich der wissenschaftlichen Betrachtung laut Heuermann allerdings erst dann, wenn man den Blick nicht nur auf die &#228;sthetische Oberfl&#228;che des Werks richtet, sondern sie tiefenstrukturell betrachtet, als Anzeichen seelischer Problemlagen, statt als &#228;sthetische Objekte. <sup class='footnote'><a href='#fn-114-2' id='fnref-114-2'>2</a></sup> Was den geistigen Erben der Aufkl&#228;rung Sorgen bereitet, entkr&#228;ftet Heuermann, indem er erl&#228;utert, dass eine geistige R&#252;ckentwicklung auf ontogenetischer Ebene (erlebbar an den Verl&#228;ufen psychischer Krankheit) bzw. auf der Ebene einer Kultur (erlebbar z.B. an barbarischen Herrschaftssystemen wie dem Nationalsozialismus) zwar m&#246;glich sind, eine evolution&#228;re R&#252;ckentwicklung auf phylogenetischer Ebene allerdings nicht.</p>
<blockquote><p>»Es gibt keine Anhaltspunkte daf&#252;r, dass Regressionen – global betrachtet – imstande sind, die Bewusstseinsgeschichte zum Stillstand zu bringen oder gar zur Umkehr zu zwingen. Wohl aber gibt es gen&#252;gend Anzeichen daf&#252;r, dass sie st&#246;rend oder korrigierend in die Geschichte eingreifen und deren kulturelle Auspr&#228;gungen ver&#228;ndern k&#246;nnen.« <sup class='footnote'><a href='#fn-114-3' id='fnref-114-3'>3</a></sup></p></blockquote>
<p>Was Heuermann als Regression bezeichnet, darf also keinesfalls im Sinne einer R&#252;ckentwicklung verstanden werden. Vielmehr handelt es sich bei dem von ihm beschriebenen Prozess um eine evolution&#228;re Progression &#252;ber den Umweg der Regression.</p>
<p>Er untermauert seine Ausf&#252;hrungen mit Neumanns Darstellungen der Bewusstseinsentwicklung und zeigt auf, dass das kollektive Bed&#252;rfnis nach medialen Mythen eine nat&#252;rliche Phase der kollektiven Bewusstseinsentwicklung ist, die nach Erreichen h&#246;chster Verstandesst&#228;rke notwendigerweise folgen muss. Nachdem sich das aufgekl&#228;rte Bewusstsein vom unbewussten Urgrund fast vollst&#228;ndig gel&#246;st hat, keimt das Bed&#252;rfnis nach dem paradiesischen Ganzheitszustand wieder auf und macht uns empf&#228;nglich f&#252;r jene Mythen, die uns diesen Zustand suggerieren. Der aufgekl&#228;rte Geist hat die Lehren der Bibel zwar als blo&#223;e Symbolik enttarnt und sie vor&#252;bergehend ihrer Wirkung entmachtet, die latente Suche nach dem Paradies im Alltag entgeht dem &#252;berm&#228;chtigen Verstand dabei jedoch, da ihn die starke Dichotomie von Bewusstsein und Unbewusstem umso empf&#228;nglicher macht f&#252;r einen Eskapismus ins Mythische.</p>
<blockquote><p>»Im Prozess menschlicher Selbstwerdung, die jenen schmerzhaften Abschied vom Paradies der Kindheit notwendig macht, der fast immer als konflikttr&#228;chtig und krankmachend empfunden wird, gibt es freilich Linderungsmittel – quasi-narkotische Pr&#228;parate der Kulturindustrie, die nicht therapeutisch, sondern eskapistisch wirken. Es sind Mittel, die die H&#228;rte der Lebens-, Berufs- und Arbeitswelt objektiv nicht im geringsten mildern, aber subjektiv die Illusion vermitteln, es g&#228;be noch irgendwo, irgendwann den Wunschort, den wir verloren haben. Es sind Projektionen, die nicht aus dem eigenen Innern aufsteigen … , sondern von au&#223;en bereitgestellt, industriell gefertigt, kollektiv verf&#252;gbar gemacht werden – Schonr&#228;ume der Psyche gewisserma&#223;en, die clevere (oder barmherzige?) Literaten und Regisseure uns einrichten, damit wir dort gelegentlich Zuflucht vor den Drangsalen des Realit&#228;tsprinzips nehmen und so tun k&#246;nnen, als g&#228;be es Eden noch, den gro&#223;en Kindergarten, die herrliche Spielwiese, den begl&#252;ckenden Ort der Erf&#252;llung.« <sup class='footnote'><a href='#fn-114-4' id='fnref-114-4'>4</a></sup></p></blockquote>
<p>Der medienwissenschaftlichen Kritik am Eskapismus h&#228;lt Heuermann entgegen, dass es sich beim Eskapismus und seinen dazugeh&#246;rigen Projektionen um eine seelisch angelegte Funktion handelt, die von der Kultur- und Medienindustrie lediglich stimuliert wird. <sup class='footnote'><a href='#fn-114-5' id='fnref-114-5'>5</a></sup></p>
<p>Eine Vielzahl mythischer Motive und archaischer Entwicklungsstadien setzt Heuermann mit unseren heutigen Rezeptionsgewohnheiten von medialen Inhalten in Verbindung, unter anderem erl&#228;utert er die Wiederbelebung des Animismus in der Medienlandschaft. Als Animismus wird jenes Bewusstseinsstadium verstanden, in dem das Bewusstsein zwar schon herausgebildet, jedoch noch stark vom Unbewussten durchtr&#228;nkt und mit der Natur verbunden ist. Der animistische Mensch betrachtet alle Lebewesen als miteinander und mit sich selbst verbunden, wobei reale wie eingebildete Lebewesen gleichberechtigt sind. Der Animismus entsteht, indem innere Regungen nach au&#223;en projiziert werden, wozu vor allem auch der Glaube an Geister und D&#228;monen geh&#246;rt, der sich rudiment&#228;r bis in unsere heutige Zeit erhalten hat. Laut Heuermann ist die Faszination f&#252;r das unsichtbare B&#246;se im Horrorfilm oder im Thriller Ausdruck des Animismus und diese animistische Nische zeigt auf, dass sich im fiktionalen Eskapismus ein archaischer Projektionsprozess vollzieht – vollziehen darf! –, der in der Realit&#228;t strikt abgelehnt wird und als &#252;berwunden gilt.</p>
<blockquote><p>»Der Kurs mentaler Evolution verl&#228;uft tendenziell von projektiven zu introjektiven Erlebnisformen, von Bildvorstellungen zu Gef&#252;hlszust&#228;nden. Die Ausdrucksmittel &#228;sthetischer Objekte kehren diese Tendenz in vielen F&#228;llen wieder um, weil sie auf eine Kommunikationsf&#228;higkeit zielen, die das rein Subjektive, das ganz und gar Innerliche und Immaterielle, notwendig transzendiert.« <sup class='footnote'><a href='#fn-114-6' id='fnref-114-6'>6</a></sup></p></blockquote>
<p>Am Beispiel des Animismus bedeutet dies Folgendes: Die guten und b&#246;sen Geister entsprechen, in die heutigen psychologischen Kategorien &#252;bertragen, endogenen n&#252;tzlichen und sch&#228;dlichen Gef&#252;hlsregungen, die sich im Geisterglauben zu erkennen geben. Was im Animismus an Gef&#252;hlsregungen ver&#228;u&#223;erlicht wurde, verinnerlicht sich im Laufe der Evolution und wird von den Medien schlie&#223;lich wieder ver&#228;u&#223;erlicht, da eben jene Gef&#252;hlst&#228;nde nicht anders objektiviert (d.h. verbalisiert oder visualisiert) werden k&#246;nnen. <sup class='footnote'><a href='#fn-114-7' id='fnref-114-7'>7</a></sup> Die erneute Ver&#228;u&#223;erlichung innerer Gegebenheiten zielt also letztlich auf einen sukzessiven Erkenntnisgewinn ab, der das, was lange im Innern des Menschen verschwunden war, dem nun kritischen Bewusstsein zug&#228;nglich macht. Ein popul&#228;res Filmbeispiel f&#252;r die Kraft des Animismus ist Poltergeist <sup class='footnote'><a href='#fn-114-8' id='fnref-114-8'>8</a></sup>, in dem die Behauptung &#252;bersinnlicher Ph&#228;nomene k&#252;hn in den Raum gestellt und von den Zuschauern mit begierlichem Schauer unhinterfragt »geglaubt« wird. Eine andere &#228;sthetische Spielart des Animismus finden wir beispielsweise in Fellinis Julia und die Geister <sup class='footnote'><a href='#fn-114-9' id='fnref-114-9'>9</a></sup>. Julia leidet darunter, in ihrem gesellschaftlichen Umfeld keine selbstbestimmte weibliche Identit&#228;t entwickelt zu haben. Als ihr Ehemann sie betr&#252;gt, schl&#228;gt Julias geistiger Zustand in eine Psychose um und wir erleben ihre Entwicklung begleitet von zahlreichen gespenstischen Gestalten, die sie augenscheinlich im Au&#223;en immer wieder aufsuchen. <sup class='footnote'><a href='#fn-114-10' id='fnref-114-10'>10</a></sup> Fellini kokettiert mit dem Prinzip des Animismus und l&#228;sst die Geister als psychische Projektionen seiner Protagonistin Gestalt annehmen. Zum einen ist Julia und die Geister eine Variante, den Animismus als Rezeptionsprinzip bewusst einzusetzen, zum anderen veranschaulicht uns der Film, wie der Animismus psychologisch funktioniert.</p>
<p>Im kulturpsychologischen Sinne bezeichnet Heuermann die Regression als ein Anzeichen seelischen Leidens an Welt und Wirklichkeit. Die Regressionstendenzen sind als Regulierungsversuche der Psyche zu verstehen, gewisse Defizite im Seelenhaushalt auszugleichen, wenn bestimmte Umst&#228;nde in der gelebten Kultur im Einzelnen ein Unbehagen verursachen. <sup class='footnote'><a href='#fn-114-11' id='fnref-114-11'>11</a></sup> Die Differenzierung des Bewusstseins f&#252;hrte zu einer kulturellen Spaltung und die Regression ist lediglich Ausdruck des Wunsches, diese Kluft, die die mentale Evolution verursacht hat, zu &#252;berbr&#252;cken. Der abendl&#228;ndische Mensch (bzw. seine hom&#246;ostatisch funktionierende Psyche) strebt danach, jene gattungsspezifische Schw&#228;che auszugleichen, die seine mentale St&#228;rke mit sich gebracht hat: »die Dissoziation von K&#246;rper und Geist, von naturgebundenen Lebensprozessen und transzendierenden Willens- und Vorstellungsakten, die den Menschen vor wachsende Bew&#228;ltigungsprobleme stellt.« <sup class='footnote'><a href='#fn-114-12' id='fnref-114-12'>12</a></sup> Als tats&#228;chlich problematisch erweist sich laut Heuermann nicht die Systemtrennung an sich – sie ist evolutionsbedingt –, sondern die gest&#246;rte Balance zwischen den Systemen sowie die mangelnde F&#228;higkeit des modernen Menschen, beide Systeme dem Organismus integrativ dienstbar zu machen. <sup class='footnote'><a href='#fn-114-13' id='fnref-114-13'>13</a></sup></p>
<p>Schlussendlich weist Heuermann allerdings darauf hin, dass die Phase der Regression nur ein &#220;bergang sein darf und statt als kulturelles Therapeutikum eher als Warnsignal f&#252;r eine kulturelle Entwicklung der Postmoderne betrachtet werden muss, die den Einzelnen seiner seelischen Zersplitterung &#252;berl&#228;sst.</p>
<blockquote><p>»Das Heilmittel gegen Zersplitterung und Sinnentleerung – wenn es denn eines gibt – hei&#223;t denn auch nicht Regression, sondern Integration. … Gegen die w&#252;tenden Fliehkr&#228;fte, die an allen Sinnzentren zerren und zunehmend schizoide Formen des Lebens und Bewusstseins schaffen, hilft nur die Gegenkraft einer integrationsf&#228;higen Kultur, die den m&#246;rderischen Kurs des galoppierenden Pluralismus aufgibt und sich auf den Weg zur Ganzheit begibt. Diese kann nicht identisch sein mit mythischem Monismus, sondern ist nur herstellbar als eine (bislang) unrealisierte Form des Holismus. Gegen die Entfremdung des Menschen von sich selbst, von seinen Mitmenschen, von der Natur, von seiner Symbolik l&#228;sst sich nur ein Kurs steuern, der Wiederann&#228;herung zum Ziel hat.« <sup class='footnote'><a href='#fn-114-14' id='fnref-114-14'>14</a></sup></p></blockquote>
<p>Heuermanns Fazit ist jedoch keineswegs als Appell zu verstehen, den mythischen Valenzen medialer Alltagskulturen entgegenzusteuern oder sie gar in der Medienproduktion zu meiden. Vielmehr ist sein prospektives Fazit als Hinweis darauf zu verstehen, mythische Medien-Erscheinungen und die ungetr&#252;bte Rezeptionsfreude dieser Ph&#228;nomene seitens des Publikums als einen Ausdruck einer kulturellen Entwicklung zu betrachten, die untrennbar verflochten ist mit einer kollektiven psychischen Entwicklung. Ihr muss im gesellschaftswissenschaftlichen Diskurs Rechnung getragen werden durch einen erweiterten Blick, der die psychischen Dispositionen des Menschen nicht auf ihre biochemischen Abl&#228;ufe reduziert, sondern sie in ihrem entwicklungsgeschichtlichen und kulturellen Kontext betrachtet. Ein Diskurs &#252;ber Mythen und Medien ist, wie in dieser Arbeit ansatzweise deutlich geworden sein sollte, nicht nur ein auf &#196;sthetik beschr&#228;nkter, sondern gleichwohl ein anthropologischer, psychologischer und kulturwissenschaftlicher Diskurs. Ebenso wie das Ph&#228;nomen der mythischen Strukturen im Film nur unter Einbeziehung der Erkenntnisse benachbarter Disziplinen beleuchtet werden kann, kann auch ein umfassenderer Diskurs &#252;ber ihre Bedeutung in den Medien immer nur mit erweitertem interdisziplin&#228;ren Blick und einem gewissen Wagemut vonstatten gehen, der die Paradigmen der positivistischen Wissenschaften hinter sich l&#228;sst.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-114-1'>Hartmut Heuermann (1994): Medienkultur und Mythen. Reinbeck. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-2'>Ebd., S. 9 f <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-3'>Ebd., S. 52 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-4'>Ebd., S. 90 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-5'>Vgl. ebd., S. 92 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-6'>Ebd., S. 157 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-7'>Vgl. ebd., S. 157 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-8'>Regie: Tobe Hooper (1982) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-9'>Regie: Federico Fellini (1965) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-10'>Vgl. Pautsch 2005, S. 21 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-11'>Vgl. Heuermann 1994, S. 274 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-12'>Ebd., S. 275 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-13'>Vgl. ebd., S. 285 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-114-14'>Ebd., S. 290 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-114-14'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
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		<title>Konventionalisierung der mythischen Reise</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 18:15:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 9]]></category>

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		<description><![CDATA[Alle aufgef&#252;hrten Genres weisen eine monomythische Struktur auf, wobei sich die mythischen Themen und ihre Symbolisierungen je nach Genre unterscheiden. Somit kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei der mythischen Reise um ein Ph&#228;nomen handelt, das bestimmten Genres vorbehalten bleibt. Vielmehr zeigt sich, dass sich die mythische Reise in einzelnen Genres durch ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle aufgef&#252;hrten Genres weisen eine monomythische Struktur auf, wobei sich die mythischen Themen und ihre Symbolisierungen je nach Genre unterscheiden. Somit kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei der mythischen Reise um ein Ph&#228;nomen handelt, das bestimmten Genres vorbehalten bleibt. Vielmehr zeigt sich, dass sich die mythische Reise in einzelnen Genres durch ein unterschiedliches symbolisches Vokabular manifestiert, das relativ abgegrenzte motivische Schwerpunkte umspielt. W&#228;hrend z.B. das Melodrama stark von der individuellen Psyche des Helden gepr&#228;gt und damit die Heldenreise internalisiert ist, ist sie im Abenteuerfilm fast vollst&#228;ndig nach au&#223;en projiziert, sodass die heldenhafte Entwicklung kaum noch im Helden selbst, sondern fast ausschlie&#223;lich in Manifestationen au&#223;erhalb des Helden wahrgenommen werden kann.</p>
<p>Inwiefern ein Film mythischen Charakter hat bzw. archetypische Wirkungen erzielt, l&#228;sst sich formal nicht an den Eigenschaften eines Genres festmachen, sondern bedarf der Ber&#252;cksichtigung vieler, sich gegenseitig beeinflussender Faktoren. Unbestreitbar ist wohl aber, dass sich selbst die visuell st&#228;rkste Geschichte nicht auf ihrer engen Verwandtschaft zum Mythos ausruhen und ihre Figuren um jedweden Charakter beschneiden darf. Auch mythische Geschichten kommen nicht ohne eine innere Dimension des wachsenden Helden aus, da sie die Plausibilit&#228;t des Mythos begr&#252;ndet. Wenn es in den Sandalenfilmen der 50er und 60er Jahre bis zu einem gewissen Grad m&#246;glich war, gesichtslose Helden zu erschaffen, muss dies wohl anderen Umst&#228;nden zugeschrieben werden als der N&#228;he zum Mythos. Der herrschende Zeitgeist, eine schwach ausgepr&#228;gte Medien- und Genrekompetenz, ein st&#228;rkeres Interesse von Produzenten und Zuschauern an visuellen Eindr&#252;cken als an psychologischen Geschichten etc. m&#246;gen Ursachen daf&#252;r sein, dass zeitweise auch charakterlose Helden ihr Publikum fanden. In der Fortentwicklung der Filmindustrie zeigt sich wohl aber nicht ohne Grund, dass der reine Genrefilm immer nur eine kurze Lebensdauer hat, bevor sich Genres mischen, aufgel&#246;st oder neu entwickelt werden.</p>
<p>Doch auch wenn sich die mythische Reise als Grundstruktur einer dramatischen Erz&#228;hlung Genre-unabh&#228;ngig wiederfindet und sich symbolisch manifestiert, sagt dies noch nichts &#252;ber die psychische Qualit&#228;t der verwendeten Symbolik aus. Im Diskurs &#252;ber Stereotypen ist bereits deutlich geworden, dass sich Konventionalisierungen von Symboldarstellungen stets auf ihren psychologischen Bedeutungsgehalt auswirken. Auch die Thematik der Genrekonventionen wirft die Frage auf, inwiefern durch kulturelle Symbol-Normierung das archetypische Potential einer Geschichte und damit seine unbewusste Rezeption beeintr&#228;chtigt werden. Ein wesentliches Charakteristikum der Genrefilme ergibt sich aus ihrer Funktion f&#252;r den Zuschauer. Genrefilme zielen darauf ab, Bedeutungsvielfalt auf ein Minimum zu reduzieren und eine m&#246;glichst gro&#223;e Verst&#228;ndnis-&#220;bereinkunft beim Publikum herzustellen:</p>
<blockquote><p>»Als Orientierungssysteme schr&#228;nken sie die m&#246;glichen Bedeutungen eines konkreten Film- und Fernsehtextes ein und binden die Zuschauer in konventionalisierte Bedeutungszuweisungen in Bezug auf Inhalt und Repr&#228;sentation, Narration und Dramaturgie, Figuren und Akteure, &#196;sthetik und Gestaltung ein, weil sie auf Verst&#228;ndigung hin orientiert sind.« <sup class='footnote'><a href='#fn-112-1' id='fnref-112-1'>1</a></sup></p></blockquote>
<p>Mikos weist dar&#252;ber hinaus darauf hin, dass die Rezeption von Genrefilmen eine Genre-Kenntnis des Zuschauers voraussetzt. Erst wenn die Konventionen erlernt wurden, k&#246;nnen sie ihre kommunikative Funktion erf&#252;llen. Ein Zuschauer ohne Kenntnis der Genrekonventionen wird daher einem Genrefilm weitaus vielf&#228;ltigere Bedeutungen entnehmen k&#246;nnen als ein Zuschauer, der mit den Konventionen vertraut ist. <sup class='footnote'><a href='#fn-112-2' id='fnref-112-2'>2</a></sup> Daraus l&#228;sst sich der Schluss ziehen, dass Genrefilme nicht von vornherein einer vielschichtigen symbolischen Bedeutungsebene entbehren, sondern sich erst durch Gew&#246;hnung des Zuschauers eine Reduktion der symbolischen Inhalte vollzieht. Durch den instrumentalisierten Gebrauch der Symbole kommt es zu einer Art Abnutzung ihres Gehalts und der Symbolcharakter der filmischen Darstellungen verschiebt sich bei der Aneignung von Genre-Kompetenz hin zum Zeichencharakter. W&#228;hrend Symbole weitestgehend unvoreingenommen vom Unbewussten rezipiert und dem Bewusstsein nur bruchteilhaft &#252;bersetzt werden, hat das Zeichen bereits den Bewusstseinsakt der Konventionalisierung durchlaufen – mit der Folge, dass das Zeichen mit einer <em>bestimmten</em> Bedeutungszuweisung belegt ist.</p>
<p>Die Konventionalisierung von Filmsymbolen er&#246;ffnet auf der einen Seite zwar neue kommunikative M&#246;glichkeiten des Erz&#228;hlens, beschneidet die Filmwirkung allerdings um ihre transzendente Komponente. Konventionalisierte Erz&#228;hlschemata erleichtern dem Zuschauer die Orientierung im Film, jedoch zugunsten einer tiefergehenden Aktivierung unbewusster Potentiale, die neue Impulse vermitteln und neue Erkenntnisse hervorrufen k&#246;nnen. Dieser Aspekt mag ein Grund daf&#252;r sein, warum vor allem erfolgreiche Filme sich nicht mit der blo&#223;en Verwendung von Genrekonventionen zufrieden geben und eher zur Ausbildung eines neuen Genres f&#252;hren. <sup class='footnote'><a href='#fn-112-3' id='fnref-112-3'>3</a></sup>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-112-1'>Mikos 2003, S. 259 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-112-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-112-2'>Vgl. ebd., S. 256 f <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-112-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-112-3'>Vgl. ebd., S. 253 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-112-3'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Ph&#228;nomenologie der Heldenreise in ausgew&#228;hlten Genres</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 01:26:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 9]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Abenteuerfilm
Das Abenteuer-Genre ist &#228;u&#223;erst facettenreich. Monumentalfilme wie Ben Hur 1, Piratenfilme wie Fluch der Karibik 2 oder auch der erfolgreiche Indiana Jones-Zyklus 3 geh&#246;ren in die Kategorie des Abenteuer-Genres, wobei seine Definition in der Literatur durchaus  vielf&#228;ltig ist. Kinder und Wieck subsummieren s&#228;mtliche Genres mit einem bestimmten Helden-Profil unter der Kategorie »Heldengeschichte«, wozu sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Der Abenteuerfilm</h4>
<p>Das Abenteuer-Genre ist &#228;u&#223;erst facettenreich. Monumentalfilme wie Ben Hur <sup class='footnote'><a href='#fn-388-1' id='fnref-388-1'>1</a></sup>, Piratenfilme wie <span class="upper">Fluch der Karibik </span><sup class='footnote'><a href='#fn-388-2' id='fnref-388-2'>2</a></sup> oder auch der erfolgreiche <span class="upper">Indiana Jones</span>-Zyklus <sup class='footnote'><a href='#fn-388-3' id='fnref-388-3'>3</a></sup> geh&#246;ren in die Kategorie des Abenteuer-Genres, wobei seine Definition in der Literatur durchaus  vielf&#228;ltig ist. Kinder und Wieck subsummieren s&#228;mtliche Genres mit einem bestimmten Helden-Profil unter der Kategorie »Heldengeschichte«, wozu sie u.a. den Kriminalfilm und den Abenteuerfilm z&#228;hlen. Diese Entscheidung erscheint aus dramaturgischer Sicht fragw&#252;rdig, da beispielsweise ein Whodunit-Krimi mit einem Sandalenfilm augenscheinlich wenig gemein hat. Was sie dennoch teilen, ist eine bestimmte Art von Held, der sich vor allem durch Eigenschaftslosigkeit auszeichnet. Betrachtet man den typischen Abenteuer-Helden und die Dramaturgie seiner Geschichte, wie sie in der Literatur beschrieben werden, offenbart sich in der Tat ein Kuriosum: In kaum einem anderen Genre ist der Held so wenig heldenhaft wie im Abenteuerfilm. »Ein Held wird h&#246;chst selten im Stadium des Werdens gezeigt, ein Held ist da.« <sup class='footnote'><a href='#fn-388-4' id='fnref-388-4'>4</a></sup></p>
<p>Tats&#228;chlich ist es vielen stark konventionalisierten Abenteuerfilmen zueigen, Helden schlicht zu behaupten und sie als Allesk&#246;nner zu etablieren. Auch mythische Helden werden h&#228;ufig bereits als Helden geboren, dennoch wird ihr Heldentum im Mythos hinterfragt – ja sogar provokativ auf die Probe gestellt, wie man es beispielsweise in der <span class="upper">Odyssee</span> erleben kann. Odysseus, der Held, der Troja besiegte, verf&#228;llt der Hybris und vergisst, dass er nur durch die Unterst&#252;tzung Poseidons seinen Feldzug gewinnen konnte. Folglich wird er von Poseidon bestraft und muss sein Leben auf dem Meer fristen. Erst durch das Erlernen von Demut kann es ihm gelingen, den Bann zu brechen. In dieser Lehre finden wir letztlich jenen mythischen Kern, der den Helden auf seiner Reise konstituiert. Ironischerweise wird dieses psychologische Mindestma&#223; des Mythos in der Konvention des Abenteuerfilms nicht ber&#252;cksichtigt. <span class="upper">Traber</span> und <span class="upper">Wulff</span> beschreiben sogar, dass die Flachheit der Charaktere zugunsten einer starken k&#246;rperlichen Pr&#228;senz der Schauspieler dem Genre zugeh&#246;rig ist. <sup class='footnote'><a href='#fn-388-5' id='fnref-388-5'>5</a></sup></p>
<p>Das Abenteuer-Genre geht zur&#252;ck auf die popul&#228;re Literatur des 19. Jahrhunderts, seine typischen Motive sind z.B. private Rache, Flucht, politische Missionen, die Suche nach Sch&#228;tzen und nach Gl&#252;ck. Nachdem die Aufgabe an den Helden herangetragen wurde, muss der Held in die Ferne ziehen, das kostbare Gut ist das Ziel seiner Reise. Action- und Kampfszenen sind geh&#228;uft anzutreffen, allerdings differieren sie je nach Subgenre. Weiterhin Genre-typisch ist das Natur-Motiv, das sich in einem Kampf gegen die Kr&#228;fte der Natur oder in eindr&#252;cklichen Naturaufnahmen darbieten kann. Was vom Helden w&#228;hrend des Abenteuers typischerweise gefordert ist, ist die Begegnung mit dem Fremden, h&#228;ufig fremden St&#228;mmen oder Kulturen. W&#228;hrend ihm dieses Fremde zun&#228;chst feindlich begegnet, ist er in die Pflicht genommen, sich durch Anpassung Freunde zu schaffen. Im Wesentlichen entspricht all dies jenen Konventionen, die von Vogler beschrieben und in dieser Arbeit als typische Symbole f&#252;r den Individuationsprozess interpretiert wurden. Was die Dramaturgie des Abenteuers betrifft, orientieren sich auch Kinder und Wieck an Christopher Vogler, indem sie sein Modell der Heldenreise als die typische Dramaturgie des Abenteuerfilms definieren. Sie weisen sogar darauf hin, dass Voglers Modell am besten im Abenteuer-Genre aufgehoben ist.</p>
<p>Betrachtet man die Konventionen des Abenteuergenres, l&#228;sst sich erahnen, warum Voglers Archetypen-Beschreibungen derart weit von dem entfernt sind, was die Archetypen unter tiefenpsychologischen Gesichtspunkten auszeichnet. Seine Beschreibungen erweisen sich als ph&#228;nomenologische Beobachtungen von Konventionen des Abenteuer-Genres – was f&#252;r die Dramaturgie des Abenteuerfilms gewiss n&#252;tzlich sein mag, in der &#220;bertragung auf andere Genres jedoch nicht durchweg plausibel ist. Sein Irrtum ist verzeihlich, wenn man einen weiteren Aspekt ber&#252;cksichtigt: Die Charakterlosigkeit der Abenteuer-Figuren l&#228;sst dieses Genre stark in die N&#228;he des Mythos r&#252;cken, dessen Psychologie sich mehr durch &#228;u&#223;ere Ph&#228;nomene ausdr&#252;ckt, als dass seinen Figuren ein mehrdimensionales psychologisches Profil zugesprochen werden k&#246;nnte. Dennoch w&#228;re es ein voreiliger Schluss, zu behaupten, prototypische Figuren des Abenteuerfilms w&#228;ren aufgrund der N&#228;he zum Mythos mit Archetypen gleichzusetzen. Trotz der &#196;hnlichkeiten mit dem Mythos handelt es sich beim Abenteuerfilm um eine Kunstform, deren &#228;sthetische Konventionen weit mehr Faktoren Rechnung tragen m&#252;ssen als der Mythos. Allem voran seien die kulturellen Gewohnheiten genannt, die zur Etablierung konventionalisierter Symboliken beitragen, womit sowohl die Sehgewohnheiten als auch die Einbettung in einen Kulturkreis auf die &#196;sthetik des Abenteuerfilms zur&#252;ckwirken. Weiterhin spielen dramaturgische Anforderungen in die Genre-Konventionen hinein, deren Ziel nicht allein die Generation eines Mythos ist, sondern vor allem die Generation von Spannung und Plausibilit&#228;t. All jene Faktoren m&#246;gen auch das Entstehen der zweifelhaften Archetypen Voglers wie den Gestaltwandler, den Schwellenh&#252;ter oder den Herold erkl&#228;ren. Da ihr Ursprung eher ein Genre ist als der Mythos an sich oder gar die menschliche Psyche, ist es nachvollziehbar, wenn Kinder und Wieck jene Ph&#228;nomene als origin&#228;re Ph&#228;nomene des Abenteuer-Genres bezeichnen.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-388-1'>Regie: William Wyler (1959) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-388-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-388-2'>Regie: Gore Verbinski (2003) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-388-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-388-3'>z.B. <span class="upper">J&#228;ger des verlorenen Schatzes</span>, Regie: Steven Spielberg (1980) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-388-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-388-4'>Kinder und Wieck 2001, S. 320 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-388-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-388-5'>Vgl. Traber / Wulff 2004, S. 19 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-388-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Ph&#228;nomenologie der Heldenreise in ausgew&#228;hlten Genres</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 00:26:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 9]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Thriller
Wie seine Verwandten Horror- und Fantasy-Film hat der Thriller seinen Ursprung nicht in der dramatischen, sondern in der erz&#228;hlenden Literatur. 1 Alle drei Grusel-Genres arbeiten mit den Grund&#228;ngsten des Menschen: Angst vor dem Tod, Angst vor Entfremdung, Existenzangst etc. Die Furcht entsteht hier stets durch das Unbekannte, das den sicheren Zustand der Existenz bedroht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Der Thriller</h4>
<p>Wie seine Verwandten Horror- und Fantasy-Film hat der Thriller seinen Ursprung nicht in der dramatischen, sondern in der erz&#228;hlenden Literatur. <sup class='footnote'><a href='#fn-386-1' id='fnref-386-1'>1</a></sup> Alle drei Grusel-Genres arbeiten mit den Grund&#228;ngsten des Menschen: Angst vor dem Tod, Angst vor Entfremdung, Existenzangst etc. Die Furcht entsteht hier stets durch das Unbekannte, das den sicheren Zustand der Existenz bedroht. <sup class='footnote'><a href='#fn-386-2' id='fnref-386-2'>2</a></sup></p>
<p>Im Thriller ist der Protagonist Opfer und Held zugleich. In aller Regel handelt es sich um einen unbescholtenen B&#252;rger, der nur durch einen unbedeutenden Fehltritt in das Visier der antagonistischen Kr&#228;fte ger&#228;t, die ihn um sein Leben bringen wollen. Das B&#246;se zeigt sich im Thriller in realen Gefahren, die zwar sensationalisiert dargestellt werden, aber theoretisch jeden ereilen k&#246;nnten. Abgesehen von Subgenres wie dem Psychothriller, handelt es sich hierbei um verschw&#246;rerische M&#228;chte wie Geheimdienste, Verbrecherkartelle, machtbesessene Geheimb&#252;nde o.&#228;. In <span class="upper">Copykill</span> <sup class='footnote'><a href='#fn-386-3' id='fnref-386-3'>3</a></sup> beispielsweise wird eine Kriminal-Psychologin zur Zielscheibe eines Psychopathen. Ein Anwalt, der lediglich seinen Job erledigt und dabei zu viel erf&#228;hrt, wird kurzerhand zum <span class="upper">Staatsfeind Nr. 1</span> <sup class='footnote'><a href='#fn-386-4' id='fnref-386-4'>4</a></sup>. Die Motivation des Antagonisten liegt in der Erf&#252;llung eines Auftrags, der die Ausl&#246;schung des Protagonisten vorsieht oder zumindest einschlie&#223;t.</p>
<p>Bereits in der Exposition wird klar, wen der Antagonist t&#246;ten will und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er dies erreichen wird. Die &#220;berlebenschancen des Protagonisten sind von vornherein gering. Unmittelbar nachdem ihn das B&#246;se auserw&#228;hlt hat, wird er in eine Isolation versetzt, die ihn von jeder &#228;u&#223;eren Hilfe abschneidet. Dies muss nicht durch das Betreten einer &#246;rtlich anderen Welt geschehen, sondern entscheidend f&#252;r die »andere Welt« sind die anderen Regeln dieser Welt, die der Protagonist nun erlernen muss. Die Interaktion zwischen Protagonist und Antagonist gleicht in allen drei Grusel-Genres einem t&#246;dlichen Spiel, dessen Regeln klar gesetzt sind. Zug um Zug werden nun Gewinner und Verlierer ausgelotet. Das Spiel kann sich dabei durchaus in der Alltagswelt abspielen, deren gewohnte Regeln nun au&#223;er Kraft gesetzt sind. W&#228;hrend der Antagonist die Regeln der anderen Welt beherrscht, muss der Protagonist sie erst erlernen, um sein &#220;berleben zu sichern.</p>
<p>Obwohl der Thriller-Held auf eine v&#246;llig andere Weise in die Geschichte hineingezogen wird als dies im Melodrama der Fall ist, hat auch er eine Pr&#228;disposition, die zur Grundlage seines Lernprozesses wird. Da er nicht durch einen inneren Impuls zu seinem Abenteuer gedr&#228;ngt wird, sondern ein blo&#223;es Opfer des Zufalls wird, steht nicht ein klares Defizit im Zentrum seiner Entwicklung (wobei es durchaus vorhanden sein kann). »Jedoch werden die extremen Erfahrungen, die er machen wird, die Konfrontation mit dem eigenen Tod, ihn in die Lage versetzen, die urspr&#252;nglichen Schw&#228;chen in St&#228;rken zu verwandeln.« <sup class='footnote'><a href='#fn-386-5' id='fnref-386-5'>5</a></sup> Hat er die n&#246;tigen F&#228;higkeiten erlangt und das Spiel verstanden, kommt es im Mittelteil zu einer entscheidenden Wendung und der J&#228;ger wird zum Gejagten. Zum Ende sieht sich der Protagonist in aller Regel noch einmal mit einer finalen Entscheidung konfrontiert, die auf den Regeln der anderen Welt basiert. F&#228;llt er sie richtig, kommt er mit dem Leben davon und sowohl ihm als auch dem Zuschauer wird die Botschaft des Thrillers klar: Diesmal ging es noch gut, aber das Grauen kann sich jederzeit wiederholen.</p>
<p>Der Duktus der mythischen Reise des Thriller-Helden ist im Vergleich zum Melodrama in seinen symbolischen Botschaften weitaus rigoroser. W&#228;hrend das Schicksal des melodramatischen Helden stark durch die individuelle psychische Konstitution des Helden gepr&#228;gt ist, ist das Schicksal des Thriller-Helden augenscheinlich durch den Zufall bestimmt. &#220;ber der mythischen Botschaft der Gegensatzvereinigung schwebt daher immer eine Vorwarnung: Es kann jeden treffen, einen sicheren Schutz vor den M&#228;chten der Unterwelt gibt es nicht. Die antagonistischen Kr&#228;fte bilden im Thriller einen wesentlich deutlicheren Gegenpol und fordern den Helden dazu auf, sich mit seinen Ur&#228;ngsten auseinanderzusetzen und sie zu &#252;berwinden. Das tiefenpsychologische Wissen, das hinter der symbolischen Fassade des Thrillers steckt, referiert auf die eigene Regelhaftigkeit des Unbewussten, die sich uns nur in einer zumeist unangenehmen Konfrontation erschlie&#223;t. Dass den Thriller-Helden der Zufall &#252;berrascht, ist f&#252;r diese unverbl&#252;mte mythische Lehre ma&#223;geblich, weist dieser Umstand doch darauf hin, dass der Konfrontationsprozess mit den abgespaltenen M&#228;chten nicht der Freiwilligkeit des Bewusstseins obliegt. Selbst wenn sich das bewusste Ich des Helden im Leben komfortabel etabliert hat, dringen die Forderungen der Unterwelt eines Tages an ihn heran und fordern eine Neuorientierung. Erst wenn die Grenzen des emotional Vorstellbaren erreicht sind, kann die mythische Lehre in dieser Konstellation ihre Wirkung entfalten, da die Gegensatzspannung zwischen der ungetr&#252;bten Welt des Protagonisten im Sinne des kompensatorischen Prinzips eines entsprechend getr&#252;bten Gegenpols bedarf. Der Thriller operiert also mit einem Mythos, der wesentlich st&#228;rker in psychische Grenzbereiche f&#252;hrt und die Grund&#228;ngste des Zuschauers aktiviert. Der mythische Impetus ist in dieser Art der Heldenreise also von sehr existenzieller Natur, m&#246;glicherweise die existenziellste im Vergleich zu anderen Genres.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-386-1'>Vgl. ebd., S. 146 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-386-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-386-2'>Vgl. ebd., S. 200 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-386-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-386-3'>Regie: Jon Amiel (1995) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-386-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-386-4'>Regie: Tony Scott (1998) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-386-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-386-5'>Kinder und Wieck 2001, S.  186 f <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-386-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Ph&#228;nomenologie der Heldenreise in ausgew&#228;hlten Genres</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 23:15:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 9]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Melodrama
Das Melodrama hat seinen Ursprung im Theater und erweist sich in seinen Konventionen als eines der best&#228;ndigsten Genres, das sich gesellschaftlichen Umwandlungen kurzerhand anpasst. Dabei ist seine Verkn&#252;pfung mit einem gesellschaftlichen Kontext ma&#223;geblich, da sich sein Hauptkonfliktfeld aus konkreten gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen generiert. Im Zentrum des Melodramas steht h&#228;ufig ein Tabu, eine moralische Ungereimtheit, bzw. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Das Melodrama</h4>
<p>Das Melodrama hat seinen Ursprung im Theater und erweist sich in seinen Konventionen als eines der best&#228;ndigsten Genres, das sich gesellschaftlichen Umwandlungen kurzerhand anpasst. Dabei ist seine Verkn&#252;pfung mit einem gesellschaftlichen Kontext ma&#223;geblich, da sich sein Hauptkonfliktfeld aus konkreten gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen generiert. Im Zentrum des Melodramas steht h&#228;ufig ein Tabu, eine moralische Ungereimtheit, bzw. die Diskrepanz zwischen individuellen Lebenskonzepten und gesellschaftlichen Normen. Dennoch ist das Melodrama kein gesellschaftspolitisches Programm, das weltanschauliche Systeme propagieren will. »Es versucht, hinter den Sozialrollen und ideologischen Masken seines Personals die menschliche Substanz zu entdecken und zu begreifen.« <sup class='footnote'><a href='#fn-110-1' id='fnref-110-1'>1</a></sup> Einer der gr&#246;&#223;ten melodramatischen Klassiker ist wohl <span class="upper">Vom Winde verweht</span> <sup class='footnote'><a href='#fn-110-2' id='fnref-110-2'>2</a></sup>, aber auch moderne Produktionen wie <span class="upper">Das Piano</span> <sup class='footnote'><a href='#fn-110-3' id='fnref-110-3'>3</a></sup> oder <span class="upper">High Heels</span> <sup class='footnote'><a href='#fn-110-4' id='fnref-110-4'>4</a></sup> lassen sich diesem Genre zuordnen.</p>
<p>Im Zentrum des Melodramas steht h&#228;ufig eine Heldin, die sich im Spannungsfeld zwischen zwei m&#228;nnlichen Mitstreitern bewegt. Einer von ihnen begegnet ihr als beharrende Kraft, der andere als jene Kraft, die &#252;ber einen Leidensweg die Heldin in einen ausgeglichenen emotionalen Zustand f&#252;hrt. <sup class='footnote'><a href='#fn-110-5' id='fnref-110-5'>5</a></sup> Zwar ist diese Konstellation nicht bindend, in dieser Konvention finden sich jedoch die Qualit&#228;ten von Schatten und Seelenbild wieder, die f&#252;r eine ihnen zugeh&#246;rige Auseinandersetzung verantwortlich sind. Zu Beginn der Geschichte steht in aller Regel der Verlust eines ausgeglichenen, stabilen Zustands, der durch ein schicksalhaftes Ereignis herbeigef&#252;hrt wird. W&#228;hrend die Heldin bestrebt ist, ihren alten Zustand wiederzuerlangen, wird sie nach dem &#228;u&#223;ersten Ereignis der Katastrophe begreifen, dass dies unm&#246;glich ist und ihr Weg zur&#252;ck ins Gl&#252;ck nur &#252;ber die Erf&#252;llung eines lang gehegten Wunsches f&#252;hrt.</p>
<p>Drei dramaturgische Merkmale schreiben <span class="upper">Kinder</span> und <span class="upper">Wieck</span> dem Melodrama zu: 1) <em>Der melodramatische Schock</em> ist der j&#228;he Zusammenbruch einer stabilen Lebenslage, der die Heldin in eine ungl&#252;ckliche Grenzsituation st&#252;rzt. 2) <em>Der melodramatische Skandal</em> ist ein Mittel, dessen sich die Heldin h&#228;ufig bedienen muss, um ihr Dilemma zu l&#246;sen. Hierbei handelt es sich beispielsweise um einen Tabubruch, der als unausweichliches Mittel erscheint, um das verlorene Gl&#252;ck wiederherzustellen. 3) <em>Die melodramatische Zeit</em> ist eine Eigenheit des Genres, durch die das subjektive Zeitempfinden des Protagonisten als stilistisches Mittel in der Filmzeit ausgedr&#252;ckt wird. <sup class='footnote'><a href='#fn-110-6' id='fnref-110-6'>6</a></sup></p>
<p>Generell handelt es sich beim Melodrama vor allem um einen emotionalen Entwicklungsweg, der sich vorrangig im Innern der Heldin vollzieht. Wo in anderen Genres die Wendepunkte des Films immer n&#228;her zum Ziel f&#252;hren, bestehen sie im Melodrama aus Gef&#252;hlsumschw&#252;ngen der Heldin, die sie immer wieder an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringen. Der Hauptkonflikt pendelt dabei zwischen einem Defizit der Heldin und ihrem Wunsch nach einem ausgeglichenen Gef&#252;hlshaushalt. <sup class='footnote'><a href='#fn-110-7' id='fnref-110-7'>7</a></sup> Die antagonistische Kraft muss dabei nicht in einem typischen »B&#246;sewicht« manifestiert sein, sondern kann auch durch einen &#228;u&#223;eren Umstand auftreten wie z.B. eine t&#246;dliche Krankheit. Dennoch weisen Kinder und Wieck darauf hin, dass ein diffuses Konfliktfeld noch keinen Antagonisten generiert. Daher bedarf es eines ambivalenten Gegenspielers, der die Heldin durch seinen widerspr&#252;chlichen Charakter, bestehend aus liebenswerten und verabscheuungsw&#252;rdigen Seiten, in einen Zwiespalt bringt. <sup class='footnote'><a href='#fn-110-8' id='fnref-110-8'>8</a></sup> W&#228;hrend z.B. im Abenteuerfilm oder im Horrorfilm die Qualit&#228;ten von Gut und B&#246;se klar verteilt sind und ihren Helden das Entscheiden leicht machen, muss die melodramatische Heldin stets zwischen Ambivalenzen abw&#228;gen. Ihre Entscheidungen fallen nicht zwischen Gut und B&#246;se, sondern zwischen Besser und Schlechter, was unweigerlich eine Opferbereitschaft von ihr verlangt.</p>
<p>Der Mythos, der dem Melodrama zugrunde liegt, ist im westlichen Kulturkreis laut Kinder und Wieck die Passionsgeschichte:</p>
<blockquote><p>»Das Melodrama erz&#228;hlt eine der gro&#223;en Menschheitsgeschichten. Das ist die Leidensgeschichte. Zugleich erz&#228;hlt es die Geschichte einer m&#246;glichen Vers&#246;hnung dieser antagonistischen Strebungen. Das ist die Heilsgeschichte. Zum dritten erz&#228;hlt das Melodrama diese urchristlich orientierte Geschichte als jederzeit denkbare und wiederholbare Gegenwartsgeschichte.« <sup class='footnote'><a href='#fn-110-9' id='fnref-110-9'>9</a></sup></p></blockquote>
<p>Ein wesentliches Charakteristikum melodramatischer Filme ist die Botschaft, dass die Welt nicht zu &#228;ndern ist. Um sein Schicksal zu bew&#228;ltigen, muss sich der Held selbst &#228;ndern, um den emotional folgenreichen Mangel auszugleichen, den ein schicksalhafter Verlust mit sich gebracht hat. Das, was der Held verloren hat, kann er zwar nicht wiedererlangen, doch durch zahlreiche Opfer, die er durch stetiges Abw&#228;gen von Konsequenzen bringen muss, kann er einen neuen Zustand der Gl&#252;ckseligkeit und Selbstverwirklichung erreichen und wird erleben, wie sich die Wertbesetzungen von Gut und B&#246;se, Hass und Liebe, Krieg und Frieden in ihr Gegenteil verkehrt haben.</p>
<p>Was wir in der Dramaturgie des Melodramas erleben, ist ein typisches Beispiel f&#252;r die innere Reise des Helden. Das &#228;u&#223;erliche Abenteuer steht dabei deutlich hinter den inneren Prozessen der Figuren zur&#252;ck. Die Konventionen des Melodramas sind im Vergleich zu anderen Genres insofern ein Ausnahmefall, als die psychologische Komponente hier von vornherein zum dramaturgischen Genre-Kanon geh&#246;rt. Die dramaturgischen Konventionen des Melodramas sind dem Zuschauer wohlbekannt, sodass er in aller Regel den Ausgang der Geschichte antizipieren kann. Doch im Weg dorthin liegt die eigentliche Kraft des Melodramas. Dieser ist immer individueller Natur, sodass er den Zuschauer trotz Happy End-Erwartung emotional einbindet. Der individuelle emotionale Weg des melodramatischen Helden, der nur bis zu einem gewissen Grad konventionalisierbar ist, mag ein Grund daf&#252;r sein, dass sich dieses Genre als eines der best&#228;ndigsten bew&#228;hrt hat.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-110-1'>Kinder und Wieck 2001, S. 52 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-110-2'>Regie: Victor Fleming (1939) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-110-3'>Regie: Jane Campion (1992) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-110-4'>Regie: Pedro Almodóvar (1991) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-110-5'>Vgl. Kinder und Wieck 2001., S. 94 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-110-6'>Vgl. ebd., S. 43 ff <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-110-7'>Vgl. ebd., S. 94 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-110-8'>Vgl. ebd., S. 95 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-110-9'>Ebd., S. 40 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-110-9'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<item>
		<title>Die mythische Reise im Genre-Vergleich</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 21:14:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 9]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei der Untersuchung archetypischer und mythischer Strukturen im Film und den aus ihnen erwachsenen Konventionen streift man unweigerlich das Problemfeld der Genrekonventionen, in denen sie konzeptualisiert sind. Kaum ein anderes Problemfeld der Filmwissenschaft ist kontroverser und uneindeutiger behandelt worden als die Frage nach Genres und ihren Eigenheiten. Bereits der Genre-Begriff, so wie er in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei der Untersuchung archetypischer und mythischer Strukturen im Film und den aus ihnen erwachsenen Konventionen streift man unweigerlich das Problemfeld der Genrekonventionen, in denen sie konzeptualisiert sind. Kaum ein anderes Problemfeld der Filmwissenschaft ist kontroverser und uneindeutiger behandelt worden als die Frage nach Genres und ihren Eigenheiten. Bereits der Genre-Begriff, so wie er in der Literatur umrissen wird, er&#246;ffnet ein relativ breites Spektrum an definitorischen Facetten.</p>
<p><span class="upper">Hickethier</span> beschreibt Genres als inhaltlich-strukturelle Bestimmungen von Filmgruppen, die das Wissen des Zuschauers &#252;ber Erz&#228;hlmuster, Themen und Motive organisiert. <sup class='footnote'><a href='#fn-108-1' id='fnref-108-1'>1</a></sup> Nach<span class="upper"> Tudor</span> besitzen einzelne Genres jeweils einen mythologischen Kern und ein kulturelles System, das sie konstituiert. <sup class='footnote'><a href='#fn-108-2' id='fnref-108-2'>2</a></sup> Nach <span class="upper">McConnell</span> ist dieses kulturelle System der eigentliche Urheber einer Geschichte und es wird vom Autor bzw. vom Regisseur nur aufgegriffen und neu formiert. <sup class='footnote'><a href='#fn-108-3' id='fnref-108-3'>3</a></sup> Da folglich nicht der Autor, sondern das Genre die Geschichte erz&#228;hlt, stellt Hickethier dem Genrefilm den Autorenfilm gegen&#252;ber, zweifelt den ausschlie&#223;enden Charakter dieser Dichotomie jedoch an. <span class="upper">Mikos</span> betont die kommunikative Funktion, die dem Genre zukommt. Nach Mikos sind Genres vor allem ein Instrument f&#252;r die Produzenten, ein Produkt auf dem Markt zu platzieren und gezielt Zuschauererwartungen zu bedienen. Einzelne Genres bildeten sich dann heraus, wenn ein Film besonders erfolgreich war. Die Verwendung gleicher Themen und Gestaltungselemente geben dem Zuschauer ein Versprechen dar&#252;ber, was ihn erwarten wird. Somit sind Genres eine Art Gebrauchswertversprechen, das ein kommunikatives Vertrauen beim Zuschauer schafft <sup class='footnote'><a href='#fn-108-4' id='fnref-108-4'>4</a></sup> und sie werden zu einem »Instrument der Verst&#228;ndigung &#252;ber Bedeutungen«. <sup class='footnote'><a href='#fn-108-5' id='fnref-108-5'>5</a></sup></p>
<p>Da Genres auf eine historische Entwicklung zur&#252;ckblicken und gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen unterworfen sind, haben sie einen dynamischen Charakter und sind stetigen Wandlungen unterworfen. Ihre Dynamik macht es zum einen nahezu unm&#246;glich, sie trennscharf zu kategorisieren und zum anderen, ihre jeweiligen Konventionen zu kanonisieren. Der prototypische Genrefilm ist daher eher ein hypothetisches Konstrukt, das sich durch die Genre-Erfahrung der Zuschauer herausbildet und in der Betrachtung und Deutung von Filmen als mentale Vergleichsgr&#246;&#223;e dient.</p>
<p>Was die filmwissenschaftliche Literatur als Genrekonventionen bezeichnet, umfasst weit mehr als blo&#223;e dramaturgische Gesichtspunkte. Alle denkbaren Gestaltungsebenen im Film erfahren in der genrebezogenen Verwendung Konventionalisierungen und werden vom Zuschauer in den Beurteilungsprozess einbezogen. Im Folgenden soll jedoch das Augenmerk auf die Dramaturgie einzelner Genres gerichtet werden, wobei andere Gestaltungsebenen weitgehend unber&#252;cksichtigt bleiben. Anhand von drei ausgew&#228;hlten Genres soll untersucht werden, wie sich die mythische Reise im Rahmen der motivischen und dramaturgischen Konventionen einzelner Genres wiederfinden l&#228;sst.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-108-1'>Vgl. Hickethier 2001, S. 213 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-108-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-108-2'>Vgl. Tudor 1973, S. 92 zitiert nach ebd. 2001, S. 214 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-108-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-108-3'>Vg. McConnell 1977, S. 7 f zitiert nach ebd., S. 214 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-108-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-108-4'>Vgl. Mikos 2003, S. 253 f <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-108-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-108-5'>Casetti 2001, S. 155 zitiert nach ebd., S. 253 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-108-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Konsequenzen f&#252;r die Filmgestaltung</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 20:14:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 8]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Vergleich von Stereotypen und Archetypen ist insofern nicht unproblematisch, als es sich hier um Konzepte aus g&#228;nzlich unterschiedlichen psychologischen Schulen handelt. Da sich ihre jeweilige Wirkung im Film jedoch aufzeigen l&#228;sst, ist es legitim, einen Vergleich beider Begriffe zu wagen. Die bis hierhin zusammengetragenen Merkmale von Stereotypen und Archetypen lassen sich folgenderma&#223;en gegen&#252;berstellen:



Stereotypen
Archetypen


Sie basieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Vergleich von Stereotypen und Archetypen ist insofern nicht unproblematisch, als es sich hier um Konzepte aus g&#228;nzlich unterschiedlichen psychologischen Schulen handelt. Da sich ihre jeweilige Wirkung im Film jedoch aufzeigen l&#228;sst, ist es legitim, einen Vergleich beider Begriffe zu wagen. Die bis hierhin zusammengetragenen Merkmale von Stereotypen und Archetypen lassen sich folgenderma&#223;en gegen&#252;berstellen:</p>
<table style="margin-bottom: 25px" border="0">
<tbody>
<tr style="border-bottom: 1px solid #666666;">
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-right: 2px;"><strong>Stereotypen</strong></td>
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-left: 2px;"><strong>Archetypen</strong></td>
</tr>
<tr style="border-bottom: 1px dotted #666666;">
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-right: 2px;">Sie basieren auf kultureller Lerner- fahrung.</td>
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-left: 2px;">Sie sind angeborene psychische  Strukturelemente.</td>
</tr>
<tr style="border-bottom: 1px dotted #666666;">
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-right: 2px;">Sie werden zwar weitestgehend  kollektiv getragen, sind jedoch nicht  universell und k&#246;nnen so in unter- schiedlichen Gruppen und Kulturen  von einander abweichen.</td>
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-left: 2px;">Sie enthalten die im Laufe der Evolution entstandenen Dispositionen zur menschlichen Entwicklung und sind daher universell.</td>
</tr>
<tr style="border-bottom: 1px dotted #666666;">
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-right: 2px;">Sie sind Eigenschaftstr&#228;ger, die durch Konventionalisierung beobachteter  Inhalte entstehen.</td>
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-left: 2px;">Sie sind Funktionstr&#228;ger, die erst dann inhaltlich bestimmbar sind, wenn sie sich zu einem bestimmten Entwicklungszweck &#228;u&#223;erlich manifestieren.</td>
</tr>
<tr style="border-bottom: 1px dotted #666666;">
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-right: 2px;">Sie existieren Kontext-unabh&#228;ngig  und autonom.</td>
<td style="padding-bottom: 4px; padding-top: 4px; padding-left: 2px;">Als Strukturelemente sind sie immer Teil eines Gesamtsystems.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Aus dem Vergleich l&#228;sst sich die Schlussfolgerung ziehen, dass es sich bei Archetypen und Stereotypen um entgegengesetzte Konzepte handelt, deren jeweilige Eigenschaften sich durch einen wesentlichen Unterschied herausbilden: W&#228;hrend Archetypen nat&#252;rlich determiniert sind, sind Stereotypen kulturell bestimmt.</p>
<p>Schlie&#223;lich muss ein weiteres Wesensmerkmal der Archetypen ber&#252;cksichtigt werden, das sie von Stereotypen unterscheidet und ihre wesentlich umfassendere Bedeutung veranschaulicht. Denn im Gegensatz zu Stereotypen wirken Archetypen als unbewusste Kr&#228;fte auf allen drei Ebenen der analytischen Filmbetrachtung:</p>
<div id="attachment_594" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-594" title="Archetypenachse" src="http://das-drama-in-uns.de/wp-content/uploads/2009/06/archetypenachse.png" alt="Abb. 14 – Wirkungsachse der Archetypen" width="500" height="240" /><p class="wp-caption-text">Abb. 13 – Wirkungsachse der Archetypen</p></div>
<ol>
<li>Als psychische Kr&#228;fte motivieren sie den kreativen Sch&#246;pfungsprozess und setzen die Imagination des Autors in Gang, die nun die Inhalte der Archetypen in symbolische Formen kleidet.</li>
<li>Auf der Ebene des Werks schaffen diese symbolischen Formen ein strukturelles Abbild der menschlichen Psyche in Form eines filmischen Konfliktgef&#252;ges.</li>
<li>Im Zuschauer wirken die symbolischen Erscheinungen des Films unbewusst, indem sie eine Korrespondenz mit den archetypischen Kr&#228;ften des Zuschauers erzeugen. Ebenso wie jene symbolischen &#196;u&#223;erungen, die der Zuschauer in Tr&#228;umen und Fantasien selbst erzeugt, k&#246;nnen auch die von au&#223;en an ihn herangetragenen Erscheinungen eine emotionale bis numinose Wirkung erzielen.</li>
</ol>
<p>In dieser Wirkungsachse mag die grundlegendste Kraft der Archetypen begr&#252;ndet liegen und damit letztlich das Geheimnis der mythischen Filmwirkung. Nachweisen l&#228;sst sich dies freilich nur schwer, da sich das unbewusste Wesen der Archetypen einer empirischen Untersuchung anhand allgemein anerkannter Verfahren entzieht. Nimmt man sie jedoch als gegeben an, lassen sich folgende Schlussfolgerungen zur Wirkungsweise der Archetypen im Vergleich mit Stereotypen ziehen:</p>
<p>Im PKS-Modell nach Wuss m&#252;ssten die Archetypen auf einer &#252;bergeordneten Ebene angesiedelt werden, da sie alle drei von Wuss beschriebenen Ebenen tangieren. Zum einen wirken Archetypen perzeptiv, da wir ihrer Erscheinungen nicht gewahr werden, sie uns aber dennoch das umfassende Verst&#228;ndnis des Films erm&#246;glichen. Da sich Archetypen im Optimalfall nicht in einer einzigen Figur an einer bestimmten Stelle des Films manifestieren, sondern sich als latentes Konfliktfeld durch den gesamten Film ziehen, f&#252;hren sie sukzessive zur Bildung von Schemata (im Wuss’schen Sinne), die uns einen Zugang zum jeweiligen Konfliktfeld auf mehreren Ebenen er&#246;ffnen. Als treibende Kr&#228;fte f&#252;r Konflikt und Handlung bestimmen die Archetypen wesentlich die kausale Kette, indem die Auseinandersetzung des Protagonisten mit den Archetypen und letztlich die &#220;berwindung der Gegens&#228;tze vom Zuschauer vor allem kognitiv nachvollzogen werden. Kulturell konventionalisierte Symbole, die archetypisch motiviert sind, k&#246;nnen sich schlie&#223;lich auch in stereotyper Form &#228;u&#223;ern, wobei nicht jeder Stereotyp gleichzeitig eine archetypische Grundlage hat. Die archetypische Manifestation in konventionalisierten Symbolen ist nur gegeben, wenn die stereotype Erscheinung eine archetypische Funktion bekleidet. Aufgrund der oben konstatierten Gegens&#228;tzlichkeit von Archetypen und Stereotypen ist anzunehmen, dass sich die Stereotypisierung von archetypischen Erscheinungen in Form von bestimmten Genre-Konventionen auf den mythischen Gehalt eines Werks auswirkt. Doch dieser These soll im anschlie&#223;enden Kapitel nachgegangen werden.</p>
<p>Im Hinblick auf die oftmals geheimnisvolle Aufforderung der Drehbuch-Ratgeber, archetypische Figuren zu entwickeln, liegt der Schluss nahe, dass hier &#196;pfel mit Birnen verwechselt werden, bzw. die Instrumentalisierung der Archetypen &#252;bersch&#228;tzt wird. Denn selbst wenn, wie Linda Seger empfiehlt, eine Figur aus ihrer Eindimensionalit&#228;t befreit wird und einen facettenreichen, plastischen Charakter erh&#228;lt, wird sie nicht automatisch zu einer archetypischen Emanation, die eine Geschichte um eine mythische Ebene bereichert. Um Archetypen in einer Geschichte wirken zu lassen, ist es zus&#228;tzlich n&#246;tig, die Geschichte als ein psychologisches Gesamtsystem zu erfassen und den mehrdimensionalen Figuren Funktionen zu verleihen, die sie im Sinne der Gegensatzvereinigung ausf&#252;llen. Wann immer man von Archetypen in einem Film spricht, muss ihr Bezug zum Gesamtsystem hergestellt werden, dessen Gr&#246;&#223;en im zweiten Teil dieser Arbeit ausf&#252;hrlich erl&#228;utert wurden.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Begriff des Archetyps</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 20:13:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 8]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute wird der Begriff des Archetyps, des »Urbildes« 1, h&#228;ufig sehr lapidar verwendet, wenn es n&#246;tig wird, urt&#252;mliche Erscheinungen zu bezeichnen. H&#228;ufig wird er dabei jedoch seiner philosophischen Tradition enthoben und bezeichnet dann etwas, was mit dem Begriff des Prototyps treffender erfasst w&#228;re.
Seinen Ursprung hat der Begriff bei den antiken Philosophen, bei denen er im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute wird der Begriff des Archetyps, des »Urbildes« <sup class='footnote'><a href='#fn-104-1' id='fnref-104-1'>1</a></sup>, h&#228;ufig sehr lapidar verwendet, wenn es n&#246;tig wird, urt&#252;mliche Erscheinungen zu bezeichnen. H&#228;ufig wird er dabei jedoch seiner philosophischen Tradition enthoben und bezeichnet dann etwas, was mit dem Begriff des <em>Prototyps</em> treffender erfasst w&#228;re.</p>
<p>Seinen Ursprung hat der Begriff bei den antiken Philosophen, bei denen er im Wesentlichen ein Urbild im G&#246;ttlichen bezeichnete, aus dem das Leben als dessen Abbild erw&#228;chst. Jegliche antike &#220;berlegungen &#252;ber Archetypen dienten dem Verst&#228;ndnis der kosmischen Ordnung, so wurden Urbilder stets als einem universellen System zugeh&#246;rig betrachtet. Im <span class="upper">Corpus Hermeticum</span> wird Gott selbst als »das archetypische Licht« bezeichnet. Auch wenn er den Begriff selbst nicht verwendete, findet sich die Vorstellung der Archetypen auch bei <span class="upper">Augustinus</span>: »Ideen, die selbst nicht geformt sind … die enthalten sind im g&#246;ttlichen Wissen« <sup class='footnote'><a href='#fn-104-2' id='fnref-104-2'>2</a></sup> Der wichtigste Vertreter der antiken Philosophen im Hinblick auf den Archetypen-Begriff ist <span class="upper">Plato</span>, dessen Begriff der <em>Idee (gr. eidos)</em> jenem Urbild entspricht, das jedem konkreten Gedanken innewohnt. Er ging davon aus, dass die origin&#228;ren Ideen hinter den menschlichen Gedanken pr&#228;existent sind und sowohl den Geist des Menschen als auch jenen Gottes durchdringen. Diese Archetypen sind unver&#228;nderlich und liegen als urspr&#252;ngliche Qualit&#228;ten allem zugrunde. Dennoch k&#246;nnen ihnen die konkreten Gedanken immer nur unvollst&#228;ndig entsprechen. <sup class='footnote'><a href='#fn-104-3' id='fnref-104-3'>3</a></sup> Eine &#228;hnliche Vorstellung findet sich sp&#228;ter auch beim Anthropologen <span class="upper">Lévy-Bruhl</span>, der jenes Prinzip der Archetypen mit <em>représentations collectives</em> bezeichnen. Sie umfassen nicht nur die symbolischen Figuren archaischer Weltanschauungen, sondern vor allem auch deren dazugeh&#246;rigen unbewussten Inhalt. Damit wurde Lévy-Bruhl zu einem bedeutenden Wegbereiter f&#252;r Jungs Archetypenbegriff, da er die einst g&#246;ttlichen Urbilder als im Menschen selbst repr&#228;sentiert auffasste. <sup class='footnote'><a href='#fn-104-4' id='fnref-104-4'>4</a></sup> Ein weiterer, heute noch &#228;u&#223;erst g&#228;ngiger Archetypen-Begriff findet sich beim Religionsforscher <span class="upper">Eliade</span>, der Archetypen als jene fr&#252;hzeitlich »offenbarten« und transzendenten Paradigmen bezeichnet, die im Verst&#228;ndnis archaischer Gesellschaften jeder Handlung zugrunde lagen. <sup class='footnote'><a href='#fn-104-5' id='fnref-104-5'>5</a></sup></p>
<p>Dennoch ist Jungs Archetypen-Begriff heute unzweifelhaft der am meisten verbreitete. Dies mag darin begr&#252;ndet liegen, dass seine Ausf&#252;hrungen und Forschungen dazu in ihrer Komplexit&#228;t viele Archetypen-Konzepte seiner Vorg&#228;nger einschlie&#223;t und sie mit biologischen &#220;berlegungen verkn&#252;pft. Als <em>patterns of behaviour</em> sind die Archetypen nach Jung zum einen biologisch zu erkl&#228;ren, k&#246;nnen aus tiefenpsychologischer Sicht mittels ihrer Emanationen in der kulturellen Au&#223;enwelt aber auch religi&#246;se, mythologische und psychologische Fragestellungen bedienen. Jungs Begriff von Archetypen, der in den vorangegangenen Teilen der Arbeit hinl&#228;nglich erl&#228;utert wurde, soll auch weiterhin Verwendung finden, wobei es nicht zu verhindern ist, dass auch seine umst&#228;ndliche, oft widerspr&#252;chlich anmutende Definition der Archetypen in dieser Arbeit ein eigen-st&#228;ndiges Profil erh&#228;lt. Auch wenn Jungs Begriffsdefinition detailreicher und umfassender kaum sein kann, hat wohl seine Nachfolger kaum ein Begriff mehr zu Diskussionen angeregt als jener der Archetypen. In dieser Arbeit seien Archetypen verstanden als die strukturelle psychische Anlage zur Individuation, die sich in konkreten symbolischen Inhalten zum Zweck der Entwicklung &#228;u&#223;erlich und innerlich manifestieren kann.
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<li id='fn-104-1'>Brockhaus Bd. 2, S. 84 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-104-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-104-2'>Vgl. Jung 1984b, S. 78 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-104-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-104-3'>Vgl. Hockley 2001, S. 59 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-104-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-104-4'>Vgl. Jung 1984b, S. 78 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-104-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-104-5'>Vgl. R&#246;ll 1998, S. 93 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-104-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
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		<title>Der Stereotypen-Begriff in der Sozialpsychologie</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 19:12:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kapitel 8]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Sozialpsychologie wird gemeinhin unter Stereotypen die verallgemeinernde, schematische Reduzierung einer Erfahrung verstanden, die zu einer vereinfachten Orientierung in der Umwelt verhilft. Bedeutende Arbeit leistete hierf&#252;r Walter Lippmann 1, dessen Ansatz sp&#228;ter von Niklas Luhmann 2 weiterentwickelt wurde. Nach Lippmann ist die Stereotypenbildung ein rationelles Verfahren des Individuums, um die Komplexit&#228;t seiner realen Umwelt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Sozialpsychologie wird gemeinhin unter Stereotypen die verallgemeinernde, schematische Reduzierung einer Erfahrung verstanden, die zu einer vereinfachten Orientierung in der Umwelt verhilft. Bedeutende Arbeit leistete hierf&#252;r <span class="upper">Walter Lippmann </span><sup class='footnote'><a href='#fn-102-1' id='fnref-102-1'>1</a></sup>, dessen Ansatz sp&#228;ter von <span class="upper">Niklas Luhmann</span> <sup class='footnote'><a href='#fn-102-2' id='fnref-102-2'>2</a></sup> weiterentwickelt wurde. Nach Lippmann ist die Stereotypenbildung ein rationelles Verfahren des Individuums, um die Komplexit&#228;t seiner realen Umwelt zu reduzieren. Stereotypen entstehen dabei durch eine selektive Wahrnehmung, die dem unbewussten Streben nach Vereinfachung, Eindeutigkeit, Stimmigkeit und Stabilit&#228;t folgt. <sup class='footnote'><a href='#fn-102-3' id='fnref-102-3'>3</a></sup>  Doch auch der umgekehrte Vorgang wird ber&#252;cksichtigt. Unter Stereotypisierung versteht die Sozialpsychologie daher ebenso die Tendenz, Menschen viele Eigenschaften eines typischen Vertreters seiner Gruppe zuzuschreiben.</p>
<p>Diese zwei Tendenzen der Stereotypisierung bezeichnet <span class="upper">W. Wasel </span>als deren funktionalen und dysfunktionalen Aspekt. Aus funktionaler Sicht sind Stereotypen kognitive Werkzeuge, die uns dabei helfen, die auf uns einstr&#246;mende Informationsflut zu bew&#228;ltigen. Sie sind aufgebaut in Form von semantischen Netzwerken. Ihren Knotenpunkt bildet eine jeweilige Kategorie (z.B. Blondine, T&#252;rke), die mit bestimmten Eigenschaften assoziativ verkn&#252;pft ist. Die Kategorien und ihr Netzwerk sind als mentale Struktur in Form von Propositionen im Langzeitged&#228;chtnis gespeichert. Dank dieser Strukturen reicht im Alltag ein Stimulus aus, um Schlussfolgerungen &#252;ber eine Person und ihre Eigenschaften, Verhaltensweisen und Rollen zu ziehen. Dieser funktionale Aspekt des stereotypen Denkens entspricht dem <em>principle of least effort</em> <sup class='footnote'><a href='#fn-102-4' id='fnref-102-4'>4</a></sup>, nach welchem Stereotypenbildung als eine Form der Schemabildung verstanden werden kann, die daf&#252;r sorgt, dass die begrenzte kognitive Kapazit&#228;t des Menschen m&#246;glichst effektiv genutzt wird. <sup class='footnote'><a href='#fn-102-5' id='fnref-102-5'>5</a></sup></p>
<p>Die dysfunktionale Sicht hingegen f&#252;hrt zur Ausbildung dessen, was Stereotypen als deren negative Auswirkung anh&#228;ngt: Vorurteile, Diskriminierung und Rassismus. »Stereotypen sind kognitiv gespeicherte Strukturen, in denen Meinungen &#252;ber eine bestimmte Gruppe repr&#228;sentiert sind.« <sup class='footnote'><a href='#fn-102-6' id='fnref-102-6'>6</a></sup> F&#252;r diese Strukturen sind Vorurteile die gef&#252;hlsm&#228;&#223;ige Basis. Stereotypen und Vorurteile stehen daher in einer engen Verbindung und bestimmen unser Handeln. Werden Vorurteile ausagiert, spricht man von Diskriminierung und Rassismus. <sup class='footnote'><a href='#fn-102-7' id='fnref-102-7'>7</a></sup>
<div class='footnotes'>
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<li id='fn-102-1'>Walter Lippmann (1964): Die &#246;ffentliche Meinung. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-102-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-102-2'>z.B. Niklas Luhmann (2002): Soziale Systeme. Darmstadt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-102-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-102-3'>Vgl. Brockhaus Bd. 21, S. 103 f <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-102-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-102-4'>Vgl. Allport 1954 zitiert nach Wasel 1998, S. 9 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-102-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-102-5'>Vgl. Wasel 1998, S. 9 f <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-102-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-102-6'>Ebd., S. 13  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-102-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-102-7'>Vgl. ebd., S. 12 f <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-102-7'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
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